#1 Genua die Reise, die Ankunft
Ich setze mich mit diesem Bericht jetzt wahrscheinlich bei zumindest zwei Menschen in die Nesseln, aber was Italien, die italienische Sprache und die Menschen anbelangt nehmt es mir nicht übel, eigentlich mag ich das ja alles, bloß kann ich es nicht zugeben. ;o)
Deshalb hier nun ungekürzt und unzensuriert der erste Bericht:
Genua 3.7.2009
Italien ist eine Reise wert. Und sei es nur, um zu sehen wie mittelalterlich eine Zugreise in Mitteleuropa noch immer sein kann. Verzeiht, aber ich bin so verwöhnt. ICE (wobei ja im letzten halben Jahr durch den Ausfall der ICE-3 und ICE-T die Strecke Frankfurt – Leipzig auch sehr abenteuerlich war) und SBB machen es einen jedesmal schwer ins weitere Ausland zu fahren. Da habe ich mich schon immer über die ÖBB beschwert, aber die haben ja gegenüber Trenitalia noch einen ziemlichen Technologievorsprung. In Mailand sah ich zumindest einen Zug der modern ausgesehen hat. Den Eurostar. Ich muss den mal ausprobieren, aber was soll ich in Rom?
Du weißt übrigens, dass du in Italien bist, wenn die Zugbegleiter ruppig werden und zu schreien beginnen. Sehr interessant zu beobachten. Auch sonst wird hier gerne sehr ungeduldig agiert, zumindest sieht es für mich als Aussenstehenden immer so aus, wenn zwei Italiener miteinander kommunizieren. Alle sagen immer, dass das Italienisch so eine schöne Sprache sei, aber ich stehe noch immer dazu, dass mir Spanisch besser gefällt. Ist runder. Wobei dieses “ist runder” keiner so recht nachvollziehen kann, wenn ich das sage. Ich nehme Sprache wohl anders wahr. Wie sonst könnte ich Sächsisch als angenehm und immer wieder ein Lächeln auf meine Lippen zaubernd erleben.
Die Fahrt von Mailand nach Genua war jedenfalls sehr heiß. Die Klimaanlage im Zug habe ich erst nach knapp 1 3/4 Stunden Fahrzeit (also kurz vor Genua, als wir aus dem letzten Tunnel kamen) gespürt.
Davor noch, sah ich aus der Ferne (tief unten) viele Menschen in Reih und Glied nebeneinander in der prallen Sonne liegen. Wie in Caorle oder Bibione am Strand. bloß das Meer war noch weit und breit nicht zu sehen. Erst beim zweiten Mal hinsehen, erkannte ich meinen Irrtum, es war ein Friedhof und die vermeintlichen Menschen auf ihren Handtüchern die Gräber. #brauchebrille
Genua selbst hat mich dann überrascht. Die erste Frage die ich mir stellte: Wo ist das Meer? Hier sind so viele Hügel, um nicht zu sagen Berge. Ok, die Berge in der Schweiz sind höher, aber viel auf und ab möchte ich hier in Genua dann doch nicht laufen müssen. Als ich den Katakomben des Bahnhofs entkommen war, sprang ich in das erstbeste Taxi, damit ich da schnell weg bin. Mich auch noch mit den öffentlich Verkehrsmitteln auseinandersetzen zu müssen wäre in diesem Moment zu viel für mich gewesen. Zudem war ich extrem müde, nach weniger als 5 Stunden Schlaf.
Zwischen Hochautobahnen, Meeresmuseum und Yachten habe ich zuletzt doch noch einen Blick auf das Meer erhaschen können, bevor wir abbogen in einem Tunnel verschwanden und wieder einen Hügel erklommen. Endlich Hotel. Ich habe hier ein Nichtraucherzimmer mit Kingsizebed bestellt. Bekommen habe ich ein Raucherzimmer mit zwei Bambinisizebeds. Aber ich war zu matt, um dagegen anzukämpfen. Mein erster Gedanke galt den Heidelbeeren mit Schafmilchjoghurt die ich seit heute Früh (neben meinem Tibits-Sandwich und Tibits-Eistee) mit mir herumschleppte, aber nicht geschafft hatte zu essen. Um 14 Uhr war es hoch an der Zeit die zu essen. Mein Magen knurrte wie ein Wolf. Dann musste ich noch das Wireless Lan ausprobieren, was natürlich einen Usernamen und ein Passwort benötigt, die man nicht gleich beim Einchecken bekommt, sondern erst erfragen muss (wann werden diese Hotels das endlich als Service gleich beim Eingang angeben, oder zumindest irgendwo in dem Stapel an veraltetem Infomaterial mit aufnehmen). Das zu erfragen hatte ich jetzt aber echt keine Kraft mehr. Ich zog mir die Bambino-Decke über, kuschelte mich in das Bambino-Bett und entschlief in eine Traumwelt die sich, von den Hintergrundgeräuschen der Menschen in den Nachbarzimmern verstärkt, gewaschen hatte.
Als ich erwachte war ich der Meinung es sei schon der nächste Tag angebrochen und ich bin zu spät für das Frühstück. Aber es war 17:30 Uhr und ich bloß hungrig. Das tibits-Sandwich musste nun dran glauben und jetzt um 18:30 Uhr werde ich hinaus spazieren in den Dschungel von Genua. Keine Ahnung was mich erwarten wird.
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Ich war zu früh draußen. Erst gegen 20 Uhr wurde es von der Temperatur her halbwegs angenehm. Die Stadt ist interessant. Der erste hügelige Eindruck hat sich verstärkt. Wobei der Stadtplan und die Realität wieder weit voneinander abweichen. Die Wege hier sind gar nicht so weit. Ich war in 15 Minuten unten am Hafen und habe mir das Piratenschiff aus Roman Polanskis Piraten-Film aus der Nähe angesehen. Ebenso die vielen schwarzen Straßenhändler mit ihren vielen Marken-Imitaten.
Das witzige an meinem Spaziergang war, dass ich anfangs nicht genau wusste wo ich eigentlich bin und mir vorher den Stadtplan angesehen und dabei festgestellt habe, dass es eine Via Garibaldi gibt (ich musste dabei an Babylon 5 denken). Dann ging ich raus und einfach in irgendeine Richtung. Plötzlich stehe ich in der Via Garibaldi. Manches zieht mich irgendwie magnetisch an. Mein Rückweg vom Hafen (obwohl ich einen anderen weg gewählt hatte) endete ebenso in der Via Garibaldi. Ich werde morgen in die andere Richtung gehen, mal sehen ob ich wieder in der Via Garibaldi ende.


