Overload, Overkill, Over and Out
Ich gebe zu es ist ein bisschen verwegen schon am ersten Tag der Games Convention in Leipzig einen Nachruf zu verfassen, aber angesichts der Tatsache, dass es meine erste und höchstwahrscheinlich auch meine letzte GC war ist das pretty ok.
Ich, die ja normalerweise fast nur Buchmessen und Comicfestivals besucht oder dort ausstellt, war schon an der Kasse überfordert. Ich musst mich nämlich bereits da mit dem netten Mädl hinter der Kasse schreiend unterhalten. Ich habe auch keine Ahnung was sie gesagt hat, ich habe es einfach nicht verstanden. Es war im Unterschied zu einer Buchmesse höllisch laut. Dabei war das erst der Anfang.
Mein nächster Eindruck war: Wähhhh, können sich die nicht waschen bevor sie zur GC gehen? Ok, das ist wahrscheinlich zu viel verlangt, denn die meisten von ihnen werden sich möglicherweise nur einmal in der Woche oder gar einmal im Monat waschen und das war heute für die meisten wohl nicht der Tag.
Als ich dann die erste Halle betrete, wow (nein nicht das Spiel, das kommt erst in der dritten Halle), riesengroß. Ich kenne die Leipziger Messe ja nur von der Buchmesse und da sieht das alles ja ganz anders aus. Man erkennt auf den ersten Blick, dass man mit Videospielen oder Konsolen weit mehr Geld verdienen kann als mit Büchern. Ich überlege schon verzweifelt hin und her, ob ich mir für die diesjährige Frankfurter Buchmesse einen Flachbildfernseher für meinen Stand leisten kann, aber hier stehen Game-Maschine und Riesenflachbildschirm Reihe an Reihe neben einander. Zudem sind die meisten der großen Stände so groß, dass mir der Atem wegbleibt. Die füllen die Hallen ganz gut.
Messestände mit Standardausstattung sucht man hier wirklich wie die Stecknadel im Heuhaufen. Ein noch größeres Problem als in der Glaskuppel ist hier in der Halle der Lärm. An jedem Stand eine Riesenleinwand samt Bühne und irgendein Einheizer steht da oben und brüllt was das Zeug hält ins willige Publikum. Die zigfache Musikbeschallung aus jedem Winkel noch hinzukommend. Manche der Einheizer schmeißen dann von der Bühne die Messegeschenke ins Publikum wie der Wärter im Zoo das Obst in den Affenkäfig.
Knackige junge Mädls posieren vor dem einen oder anderen Auto welches als Preis für ein Gewinnspiel ausgelobt ist oder tanzen zu Technobeats auf der Bühne. Und ich hatte meinen ersten Overload.
Reboot.
Vor der Messe und auf der Messe können sich übrigens junge Messebesucher markieren lassen. Da bekommt man nämlich je nach Altersklasse Bändchen. Ab 12, ab 16 und ab 18. Ich habe mir das Bändchen erspart, da ich zum Einen sowieso nicht vor hatte etwas zu spielen und mich genau jene Spiele die einer Altersbeschränkung unterliegen dann ja sowieso am allerwenigsten interessieren, außerdem, hey, ich hätte zwei Bändchen ab 18 bekommen.
Die nächste Halle machte es jedenfalls nicht besser. Es war genauso laut und es stank genauso wie in der Halle davor. Wer vor der GC noch keinen Hörschaden hatte, hat nach der GC sicher einen. Die HNO Ärzte und die Hörgerätefabrikanten werden sich freuen.
In dieser Halle spürte ich zum ersten Mal leichte Kopfschmerzen herbeieilen. Onlinespiele gab es hier zu sehen und ich rechnete kurz nach wie viel Zeit die Menschheit mit Computerspielen verplempert verbringt. Wobei ich mich, in jungen Jahren, nicht ausnehmen möchte und heute sitze ich eben vor dem Internet und fühle mich direkt damit verbunden.
Nach dieser Halle hatte ich jedenfalls den Overkill.
In der nächsten Halle gab es dann ganz etwas Schickes. Die deutsche Bundeswehr auf Berwerbungsfeldzug. Mit schicken Motorrädern und schnieken Uniformen. Die Jugend riss sich um die Informationsblätter. 20.000 Arbeitsplätze haben die zu vergeben. Ist das denn erlaubt? Warum kontrollierte hier niemand die Bändchen? Es gab dann noch einen Stand der Bundesagentur für Arbeit und einen Stand mit Perspektiven für Deutschland. Ob das jetzt wirklich alles zur GC passt sei dahingestellt. In Bezug auf Jugendbauernfängerei dann aber doch.
ich sah auch die Panini-Jünger. Der einzige mir bekannte Verlag der neben den Buchmessen auch die GC mitnimmt. Mit Spieleliteratur logischerweise. Und zwischen den Spieleherstellern gab es auch jede Menge Computerhardwarehersteller. Das war mir gar nicht so unrecht, denn ich bin gerade dabei einen Computer zusammenzustellen und ich wollte zu Netzteilen ein bisschen Auskunft und die habe ich bei Enermax bekommen. Zumindest in der Form, dass ich mir dort die unterschiedlichen Netzteile direkt ansehen konnte und jetzt weiß was Modulares Kabelmanagement bedeutet. Juchhu.
Eine halbe Halle haben wir noch. Familien- und Kinderspiele. Es wurde allerdings nicht wahnsinnig ruhiger. Aber immerhin. Der Lärmpegel war erträglich. Mein Kopfschmerz dafür einen Tick stärker. Rausgerissen hat mich die Halle dann aber auch nicht.
Insgesamt muss ich anmerken, dass das Essensangebot auf der GC eine Spur besser ist als zur Buchmesse. Es gibt zwar die üblichen Crepes und Flammkuchen und das sonstige Fertigfutter. Aber ich sah auch einen Thaistand. Immerhin. Ansonsten wie schon erwähnt, es war meine erste und höchstwahrscheinlich auch meine letzte GC, somit haben Leipzig und ich wieder eine halbe Gemeinsamkeit.
Over and Out.


