Archiv für Z(Fl)ugbloggen

Das (vermeintliche?) Leben

Fulda – Leipzig

Grüne Wiesen, Felder, sanfte Hügel, nette kleine Dörfer weit weg von der Bahnstrecke, Raum zum Atmen. Welch Unterschied. Und dann auch noch Leipzig – Endstation für mich.

Ankommen, erholen, wohl fühlen,…

(Ich bin auch ein Widerspruch in mir selbst – irgendwie… ;o))

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Die Rückseite dieser Welt

Wer oft Bahn fährt kommt auch oft in den Genuss die Rückseite dieser Welt zu sehen. Der Korridor der Bahn verläuft meist an der Hinterseite von Häusern, Fabriken und Schrebergärten (wobei bei Letzteren egal ist, ob man an der Vorder- oder Rückseite vorbei fährt. ;o)).

Dieser schmale Pfad bringt an manchen Stellen Ansichten zum Vorschein, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Außer er fährt Bahn. Es ist als würde die ganze Welt wegsehen. Die Bahn nicht sehen wollen, um die triste Öde der Freiheit auf Schienen zu verleugnen. Wobei ja Freiheit auf Schienen ein Widerspruch in sich ist. Aber wer ist heute schon frei, oder besser gesagt, wer will heute schon frei sein?

Frankfurt – Hanau…

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Schrebergärtnern muss höllischer Spaß sein

Von Karlsruhe nach Mannheim…

Auch wenn ich mich jetzt bei manchen vielleicht in die Nesseln setze, aber was finden die Menschen an einem Schrebergarten? Es gibt so viele davon, sie sehen fast alle aus als hätte ein Amateur sich daran versucht Architekt zu spielen (zumindest hier, ich kenne auch hübsche Anlagen). Baracken und aus Abfällen zusammengezimmerte Glashäuser stehen auf Flächen die eher einer Müllhalde gleichen als einer Grünfläche.

Man könnte meinen das ist die große Sandkiste eines Menschen der in seinen Kindheitserinnerungen an Abenteuerspielplatz und Lagerfeuer-”Romatik” stecken geblieben ist. Verzeiht mir, dass ich diese Art der Freizeitbeschäftigung noch nie richtig verstanden habe. Ich kann es einfach nicht mehr nachvollziehen. In meiner Kindheit war ich auch oft gefangen in derlei Welten und bin in den meisten Fällen froh diesen entkommen zu sein. Ich gebe zu, Grün angestrichener Beton sollte auch nicht unbedingt der Boden meiner Freizeitinsel sein, aber wenn schon Insel, dann mit richtigem Meer und nicht diesen riesigen Pfützen aus Regenwasser die einen Sommer lang bei 35 Grad nicht vertrocknen wollen.

Ich gebe auch zu, dass ich keinen grünen Daumen besitze und Pflanzen in meiner Gegenwart sehr robust und wüstenklimagewohnt sein müssen. Wobei ich mit Kakteen auch nicht so gut kann, Stacheln habe ich selber genug und ich bin schon froh, wenn ich mich selbst am Leben erhalten kann.

Ich habe übrigens nichts gegen Natur einzuwenden, solange die Insekten und Spinnentiere da bleiben wo sie hingehören und ich im Schatten eines Sonnenschirms dem Spiel der Wellen zusehen und -hören kann.

Ihr hört es schon raus, die Sehnsucht nach Meer. Mein letzter Blick aufs Meer ist schon einige Jahre her und die große Zehe ins Wasser gesteckt habe ich vor noch längerer Zeit.

Gedankensprung…

Darf man sagen, dass Deutschland eine Wüste ist? Ich gehe davon aus, dass damit nicht einmal ein Großteil der Deutschen ein Problem hat. Servicewüste sowieso, aber wenn ich aus dem Zugfenster so ins Land hinaus blicke (meist auf graffitiverschmierte Schallschutzwände) überkommt mich eine Ahnung von Endzeitstimmung. Die wirklich schönen Landstriche muss man heute schon suchen, wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen.

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Beeindruckend – Beeindruckender – Kehlmann

Ich habe mir heute Vormittag den neuen Roman von Daniel Kehlmann gekauft. Der wurde im Laden wie eine Droge gehandelt und lag nicht öffentlich aus, sondern wurde nur hinter der Theke gelagert und nur auf ausdrückliches Verlangen ausgegeben.

Im Zug von Leipzig nach Bern wusste ich warum. Ich war high, die ganze Fahrt. Nein, nicht die ganze Fahrt. Es hat nur bis Karlsruhe angehalten, dann war ich das Buch durch (knapp 200 Seiten).

Was würde ich Kehlmann fragen wenn ich ihm einmal in Wien über den Weg liefe:

- Wo hast du deine Ideen?
- Wann schreibst du am liebsten?

Und ich würde sagen, ich habe dein Buch zwischen Leipzig und Karlsruhe gelesen, bis Bern hat es leider nicht gereicht.

Wer jetzt fragt: Was soll das?, dem kann ich nur raten kauft euch Ruhm. Bei Kehlmann scheint sich, so schrieb die Süddeutsche, Genieverdacht zu verdichten. Und das kann ich nur voll und ganz unterschreiben. Es ist faszinierend mit welcher Leichtigkeit er die Worte setzt. Es ist unglaublich wie gebannt ich seine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte verfolgen konnte. Nichts hat mich da rausgebracht. Ich könnte nicht sagen, dass man sehr tief eintaucht und sich in der Geschichte verliert, dazu ist es zu rasant geschrieben. Man surft sozusagen auf den Absatz-Wellen, das trifft es viel besser. Dabei steht der Leser total sicher auf dem Brett, bis er am Ende doch ins Wasser fällt. Abkühlung tut gut.

Ich sehe es absolut nicht unverdient, dass sein Buch auf der Short-List für den Leipziger Buchpreis steht. Ich kenne die anderen Bücher nicht, aber wer imstande ist mit einer derartigen Leichtigkeit den Leser gebannt bei der Stange zu halten, der muss den Preis bekommen. Meine Stimme hätte er.

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We’re Home- comes to life from outa the blue

Jaja, gestern war’s. Nachdem ich am Freitag leider unvorhergesehen noch den ganzen Tag in Bern arbeiten musste, konnte ich mich erst am Samstag um 6:04 Uhr in Bern in den Zug setzen und mich auf die Reise nach Leipzig machen.

Das war trotz zweimaligem Umsteigen so etwas von unspektakulär wie schon lange nicht mehr. In Basel erwischte ich sogar noch einen 8 Minuten früher abfahrenden ICE Richtung Mannheim als jenen in dem ich meinen Platz gebucht hatte. Ich war also überpünktlich für meinen Anschluss nach Fulda in Mannheim. Der spätere ICE dann auch, aber sicher ist sicher und wenn ich schon die Chance habe…

Durch die Verlängerung der Reise mit dem ICE nach Fulda (statt FFM) war dann auch die IC-Ersatzzugstrecke nach Leipzig weniger lang und etwas erträglicher.

Ich muss noch erwähnen, dass diese IC Ersatzzüge nach Leipzig zwar sehr geräumig, die Kopfstützen aber irgendwie total verbaut sind. Die Kopfhaltung die man durch die Kopfstützen einnimmt ist so unnatürlich, dass ich danach und auch am nächsten Tag immer Kopfschmerzen habe.

Zudem schmerzt mich heute mein Rücken, ich sollte nicht immer so viel mit mir herumschleppen. Gestern Früh in Bern war dann auch noch der Aufzug zum Bahnsteig kaputt und ich musste meine beiden kleinen Koffer und meine schwere Tasche zu Fuß die Treppe zum Bahnsteig hinunterbefördern. Nach etwa der zehnten Stufe plötzlich ein Stich im Rücken und ich hätte fast Schildkröte am Rücken die Treppe hinunter gespielt. Ich habe dann bis Basel benötigt, um wieder vernünftig atmen zu können. Irgendwann seht ihr mich irgendwo in der Weltgeschichte liegen und unfähig mich zu bewegen. Winkt mir dann einfach, ich freu mich.

Um 14 Uhr dann in Leipzig knapp dem Weihnachtsmann entkommen. Die Einkaufspassage am Hauptbahnhof in Leipzig vor Weihnachten – Hölle.

Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen und musste nach meiner Ankunft und dem nach Hause bringen der Koffer sofort in den Schoko-Laden meines Vertrauens und habe dort netterweise noch ein Stück der Bûche abgestaubt und ein Glas ausgezeichneten Quitten-Wein mit Isa und Alex und einer Freundin der beiden, die Weihnachtsgeschenke brachte und aussah und redete wie Olive Snook aus Pushing Daisies, getrunken. Sie war übrigens auch ebenso klein wie Olive. Faszinierend.

Also, Schoko-Schock nach drei Wochen Abstinenz. Ausgezeichnet. La Chocolaterie hat übrigens seit wenigen Wochen eine neue Homepage. Ein Lob an alle die diese Page entwickelt haben, wem da nicht das Wasser im Mund zusammenläuft und sie oder er selbst, wenn sie oder er in Leipzig ist, sofort dahin läuft, dann handelt es sich entweder um Ninas Körper oder sonst jemanden der mit Schokolade und Zucker absolut nichts anzufangen weiß. Ihr wisst gar nicht was euch damit entgeht. Speziell Nina, die beim Genuss eines einzigen Bissens Coulant Gift und Galle spuckt, aber selber Kokosbusserl in Fondant tunkt die dadurch “Geil wie Affenscheiße” schmecken. Der Ausdruck alleine verursacht dann meinerseits Brechreiz. ;o)

Zurück am Hauptbahnhof zum schnellen Lebensmitteleinkauf im Bioladen und im Käseladen. Den Menschen im Bioladen muss ich noch den Unterschied zwischen “in der Mitte” und “zwischen” beibringen, ansonsten bin ich der Hölle dann wieder ein weiteres Mal schnell nach Hause entflohen.

Viel los war übrigens auch bei der Post, wobei die Leute doch bitte nicht annehmen werden, dass die Post am Samstag den 20. Dezember aufgegebene Sendungen noch vor Weihnachten zustellt. Bitte. Träumer?

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