Besoffen und cool
Gestern im Bus. Ich schreibe ja üblicherweise nicht über andere, aber in diesem Fall muss ich eine Ausnahme machen. Ich hüpfe also in den Bus und hinter mir eine Frau noch rauchend, ich liebe das ja wenn sie schon im Bus stehen und dann noch einmal an ihrer Zigarette ziehen, ebenso hinein – ähh – gewankt. Sie hat es dann noch auf einen Platz geschafft. Mit einem Mal, nachdem der Geruch der Zigarette etwas vergangen war, kam der Alkoholdunst. Ich kann euch sagen. Ich fuhr zum Glück nur vier Stationen. Wenn ich mit diesem Bus bis in die Stadt gefahren wäre, wäre ich wohl alleine von den Dämpfen betrunken gewesen und drei Tage nicht mehr erwacht.
Dem noch nicht genug, steigt bei der zweiten Station ein Mann ein. Vom Alter schwer einzuschätzen. Er trägt Brille und Armlänge bis zum Knie, seine Arme nicht die Jackenärmel. Vielleicht ist das gerade modern, ich weiß es ja nicht. Er beginnt von Vorne im Bus jeden Sitzplatz genauer zu inspizieren. Und zwar nicht die Sitzplätze die frei sind, sondern jene auf denen jemand sitzt. Er sieht wohl schlechter als es die kleine Brille erahnen lässt. Irgendwann ist er auch Hinten im Bus angelangt und setzt sich neben mich. Seine Augen starrten in alle Richtungen, wörtlich genommen! Kein Wunder also, dass er jeden aus der unmittelbaren Nähe betrachten musste und dabei auch den Kopf so komisch drehte. Wie sollte er sonst fokussieren können.
Von mir ließ er dann bald ab und setzte sich gegenüber neben ein junges Mädchen. Gaffte sie genau so an wie alle anderen und setzte sich dann cool hin. Seine Beine waren übrigens doppelt so lang wie seine Arme, ihr könnt euch also vorstellen wie cool das aussah, als er das eine Bein auf der gegenüberliegenden Seite seines Platzes parkte und eine Hand an der Haltestange festmachte. Dabei natürlich immer cool zu dem Mädl neben sich blickend. Ich beneidete sie nicht. Und ich war froh zwei Stationen weiter aus dem Bus wanken zu dürfen.


