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#3 Genua das Aquarium, das lange Warten

Genua 5.7.2009

Es war die Frage des Tages: Frühstück, dann raus in die Stadt und um 12 wieder zurück zum Auschecken, oder Frühstück, dann auschecken und dann in die Stadt. Ich entschied mich für die letztere, weniger stressige Variante und trollte mich zum Frühstück.

Dort lief die gleiche Prozedur ab wie am Tag zuvor. Ich saß am selben Tisch wie am Tag zuvor und ich hatte den selben kleinen MacPedro am Tisch stehen. Larry war an diesem Tag nicht der Oberkellner, sondern kam mir als Mario verkleidet im Treppenhaus entgegen. Er ist ein Verwandlungskünstler und offenbar Mädchen für alles. Wobei er ganz und gar nicht wie ein Mädchen ausgesehen hat.

Ich habe mir den Bauch vollgeschlagen mit all den Köstlichkeiten die es gab. Rührei aus klebrigem Eipulver, ein hartes Ei im Glas, beides ohne Salz es gab nur Zucker in allen Facetten. Toastbrot mit Butter und Marmelade. Sowie Käse. Zumindest sah es wie Käse aus. Im Geschmackstest lag es jedoch weit abgeschlagen hinter Mozarella am geschmacklosen Ende. Wirklich weit abgeschlagen.

Packen, auschecken, Koffer im Hotel deponieren und nichts wie ab in die U-Bahn. Oh ja, Genua hat eine U-Bahn. Wow. Eine Karte für 3,50 gekauft und ab in den kühlen Untergrund. Beim Hafen wieder ausgespuckt. Schon wieder klitschenass. Ticket fürs Aquarium gekauft. Dabei wäre ich fast an der Verkäuferin gescheitert, sie hat nicht verstanden, dass ich ein Ticket für alles will. Ich bekam es dann aber doch, inklusive Rabattkarte für diverse Shops und ein Bändchen von dem ich bis heute nicht verstanden habe wofür es gut sein soll. Die Beschreibung war in ausgezeichnetem Italienisch.

Egal, rein ins Aquarium. Erst ein toller 3D Film über Haie und Schildkröten. Da schwamm eine Schildkröte im Meer die sprechen konnte, leider nur italienisch wie das bei Schildkröten halt mal so ist, da kann man nichts beschönigen. Sie schwamm und schwamm und ich schwamm ein bisschen mit, nass war ich ja schon. Danach endlich wirklich Aquarium. Delphine, Haie und sonstiges Getier. Meine kleine Kodak-HD-Kamera lief heiß bei den ganzen Dreharbeiten für meinen neuen Jaques Cousteau Film.

Zuerst war es recht nett im Aquarium, aber schon im dritten Raum stieß ich auf Massenware. Die waren alle in Rudeln und Gruppen unterwegs. Sie waren auch alle sehr erpicht darauf ein Foto von sich und ihrem Schatz vor irgendeinem Urwaldhintergrund zu produzieren. Die Verhaltensforschung hätte ihre Freude gehabt, aber vielleicht habe ich das ja auch nicht so richtig verstanden (war ja alles Italienisch) und die gehörten zum Aquarium.

Dann das Interessanteste überhaupt am ganzen Aquarium. Der Streichelzoo. Zwei Becken. In einem schwammen Rochen, im anderen auch. Beim einen Becken durfte man die Rochen streicheln, im anderen Becken (das genauso leicht zugänglich war wie das erste) durfte man die Rochen nicht streicheln, da sie lebensgefährlich waren. Stand am Schild. Was mich an der ganzen Sache dann wunderte war, dass keiner von den Italienern ins falsche Becken griff und tot umfiel. Die ganze Zeit über war ich nämlich der Meinung diese Menschen sind alle taub und Analphabeten. An jedem Becken stand nämlich in allen möglichen Sprachen zu lesen, dass man zum Wohle der Tiere den Blitz beim Fotografieren nicht verwenden darf. Zudem schimpften in jedem Raum die lokalen Aufpasser und über Lautsprecher wurde es auch ununterbrochen in Italienisch, Englisch und Deutsch durchgesagt, aber keinem der Hobbyfotografen schien das zu stören. Sie blitzten was das Zeug hergab. Dabei haben sie dann auf den Fotos sowieso nur den Blitz drauf, der sich in der Aquariumwand spiegelt. Hat mich so aufgeregt, dass ich sie alle gerne gewürgt hätte. Aber, es geht mich ja nichts an.

Am Ende gab es jedenfalls noch ein paar springende Delphine und dann war ich die drei Ebenen schon wieder durch. Die Filme gibt es irgendwann, wenn ich die Zeit entbehren kann sie hochzuladen, auf YouTube. Auch einen Film den ich durchgängig im Bigo gedreht habe. Genua von ganz oben im 360 Grad Modus x 2. Das Meeresmuseum wurde schlussendlich von meiner Liste gestrichen. Das war mir zu viel Action. Alle liefen da hin und keiner ging rein. Ich selbst blieb auch vor dem Eingang im Schatten stehen und lies die Minuten zu Stunden werden. In Genua an einem Sonntag Zeit totzuschlagen und dabei nicht in der Sonne zu sitzen ist gar nicht so einfach. Alle Sitzplätze die frei verfügbar sind befinden sich in der Sonne. Und überall da wo Schatten ist, gibt es keine Sitzplätze.

Ich tat dann das einzig Richtige, runter in die U-Bahn und wieder zurück zum Ferrari-Brunnen. Da wo ich Genua angefangen habe zu erkunden, da sollte es auch enden. In der prallen Sonne, aber neben springendem Wasser. Der Sonnenbrand im Nacken war mir damit bereits gewiss.

Endlich kam die Zeit des Abschieds. Gepäck abholen im Hotel und wieder in die U-Bahn. Diesmal bis zum Bahnhof. Dort dreimal verlaufen (da alles so nett beschildert ist) und endlich am richtigen Bahnsteig erneut eine Stunde Zeit totschlagend, da ich viel zu früh da war. Es gab immerhin viele Lautsprecherdurchsagen über verspätete Züge. Meiner war zum Glück nicht dabei, der hatte ja auch nur 10 Minuten Verspätung, absolut nicht der Rede wert. Die Passagiere des anderen Zugs zu dem sie alle 5 Minuten eine neue Verspätungsmeldung brachten waren da schon ärmer dran. Es begann bei 55 Minuten Verspätung, steigerte sich auf 60 und dann 65 Minuten, Ging wieder zurück auf 55 Minuten, um bei meiner Abreise bei 75 Minuten zu halten. Ich würde gerne wissen ob der Zug überhaupt ankam, aber ich war froh aus Genua wegzukommen.

Das ganze Spiel der bequemen Hinreise nun in umgekehrter Reihenfolge. Und je näher wir der Schweiz kamen, desto dicker wurden die Regenwolken. Darauf war ich nun beim besten Willen nicht vorbereitet. Regen? *huh*

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#1 Genua die Reise, die Ankunft

Ich setze mich mit diesem Bericht jetzt wahrscheinlich bei zumindest zwei Menschen in die Nesseln, aber was Italien, die italienische Sprache und die Menschen anbelangt nehmt es mir nicht übel, eigentlich mag ich das ja alles, bloß kann ich es nicht zugeben. ;o)

Deshalb hier nun ungekürzt und unzensuriert der erste Bericht:

Genua 3.7.2009

Italien ist eine Reise wert. Und sei es nur, um zu sehen wie mittelalterlich eine Zugreise in Mitteleuropa noch immer sein kann. Verzeiht, aber ich bin so verwöhnt. ICE (wobei ja im letzten halben Jahr durch den Ausfall der ICE-3 und ICE-T die Strecke Frankfurt – Leipzig auch sehr abenteuerlich war) und SBB machen es einen jedesmal schwer ins weitere Ausland zu fahren. Da habe ich mich schon immer über die ÖBB beschwert, aber die haben ja gegenüber Trenitalia noch einen ziemlichen Technologievorsprung. In Mailand sah ich zumindest einen Zug der modern ausgesehen hat. Den Eurostar. Ich muss den mal ausprobieren, aber was soll ich in Rom?

Du weißt übrigens, dass du in Italien bist, wenn die Zugbegleiter ruppig werden und zu schreien beginnen. Sehr interessant zu beobachten. Auch sonst wird hier gerne sehr ungeduldig agiert, zumindest sieht es für mich als Aussenstehenden immer so aus, wenn zwei Italiener miteinander kommunizieren. Alle sagen immer, dass das Italienisch so eine schöne Sprache sei, aber ich stehe noch immer dazu, dass mir Spanisch besser gefällt. Ist runder. Wobei dieses “ist runder” keiner so recht nachvollziehen kann, wenn ich das sage. Ich nehme Sprache wohl anders wahr. Wie sonst könnte ich Sächsisch als angenehm und immer wieder ein Lächeln auf meine Lippen zaubernd erleben.

Die Fahrt von Mailand nach Genua war jedenfalls sehr heiß. Die Klimaanlage im Zug habe ich erst nach knapp 1 3/4 Stunden Fahrzeit (also kurz vor Genua, als wir aus dem letzten Tunnel kamen) gespürt.

Davor noch, sah ich aus der Ferne (tief unten) viele Menschen in Reih und Glied nebeneinander in der prallen Sonne liegen. Wie in Caorle oder Bibione am Strand. bloß das Meer war noch weit und breit nicht zu sehen. Erst beim zweiten Mal hinsehen, erkannte ich meinen Irrtum, es war ein Friedhof und die vermeintlichen Menschen auf ihren Handtüchern die Gräber. #brauchebrille

Genua selbst hat mich dann überrascht. Die erste Frage die ich mir stellte: Wo ist das Meer? Hier sind so viele Hügel, um nicht zu sagen Berge. Ok, die Berge in der Schweiz sind höher, aber viel auf und ab möchte ich hier in Genua dann doch nicht laufen müssen. Als ich den Katakomben des Bahnhofs entkommen war, sprang ich in das erstbeste Taxi, damit ich da schnell weg bin. Mich auch noch mit den öffentlich Verkehrsmitteln auseinandersetzen zu müssen wäre in diesem Moment zu viel für mich gewesen. Zudem war ich extrem müde, nach weniger als 5 Stunden Schlaf.

Zwischen Hochautobahnen, Meeresmuseum und Yachten habe ich zuletzt doch noch einen Blick auf das Meer erhaschen können, bevor wir abbogen in einem Tunnel verschwanden und wieder einen Hügel erklommen. Endlich Hotel. Ich habe hier ein Nichtraucherzimmer mit Kingsizebed bestellt. Bekommen habe ich ein Raucherzimmer mit zwei Bambinisizebeds. Aber ich war zu matt, um dagegen anzukämpfen. Mein erster Gedanke galt den Heidelbeeren mit Schafmilchjoghurt die ich seit heute Früh (neben meinem Tibits-Sandwich und Tibits-Eistee) mit mir herumschleppte, aber nicht geschafft hatte zu essen. Um 14 Uhr war es hoch an der Zeit die zu essen. Mein Magen knurrte wie ein Wolf. Dann musste ich noch das Wireless Lan ausprobieren, was natürlich einen Usernamen und ein Passwort benötigt, die man nicht gleich beim Einchecken bekommt, sondern erst erfragen muss (wann werden diese Hotels das endlich als Service gleich beim Eingang angeben, oder zumindest irgendwo in dem Stapel an veraltetem Infomaterial mit aufnehmen). Das zu erfragen hatte ich jetzt aber echt keine Kraft mehr. Ich zog mir die Bambino-Decke über, kuschelte mich in das Bambino-Bett und entschlief in eine Traumwelt die sich, von den Hintergrundgeräuschen der Menschen in den Nachbarzimmern verstärkt, gewaschen hatte.

Als ich erwachte war ich der Meinung es sei schon der nächste Tag angebrochen und ich bin zu spät für das Frühstück. Aber es war 17:30 Uhr und ich bloß hungrig. Das tibits-Sandwich musste nun dran glauben und jetzt um 18:30 Uhr werde ich hinaus spazieren in den Dschungel von Genua. Keine Ahnung was mich erwarten wird.

Ich war zu früh draußen. Erst gegen 20 Uhr wurde es von der Temperatur her halbwegs angenehm. Die Stadt ist interessant. Der erste hügelige Eindruck hat sich verstärkt. Wobei der Stadtplan und die Realität wieder weit voneinander abweichen. Die Wege hier sind gar nicht so weit. Ich war in 15 Minuten unten am Hafen und habe mir das Piratenschiff aus Roman Polanskis Piraten-Film aus der Nähe angesehen. Ebenso die vielen schwarzen Straßenhändler mit ihren vielen Marken-Imitaten.

Das witzige an meinem Spaziergang war, dass ich anfangs nicht genau wusste wo ich eigentlich bin und mir vorher den Stadtplan angesehen und dabei festgestellt habe, dass es eine Via Garibaldi gibt (ich musste dabei an Babylon 5 denken). Dann ging ich raus und einfach in irgendeine Richtung. Plötzlich stehe ich in der Via Garibaldi. Manches zieht mich irgendwie magnetisch an. Mein Rückweg vom Hafen (obwohl ich einen anderen weg gewählt hatte) endete ebenso in der Via Garibaldi. Ich werde morgen in die andere Richtung gehen, mal sehen ob ich wieder in der Via Garibaldi ende.

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