Beeindruckend – Beeindruckender – Kehlmann

Ich habe mir heute Vormittag den neuen Roman von Daniel Kehlmann gekauft. Der wurde im Laden wie eine Droge gehandelt und lag nicht öffentlich aus, sondern wurde nur hinter der Theke gelagert und nur auf ausdrückliches Verlangen ausgegeben.

Im Zug von Leipzig nach Bern wusste ich warum. Ich war high, die ganze Fahrt. Nein, nicht die ganze Fahrt. Es hat nur bis Karlsruhe angehalten, dann war ich das Buch durch (knapp 200 Seiten).

Was würde ich Kehlmann fragen wenn ich ihm einmal in Wien über den Weg liefe:

- Wo hast du deine Ideen?
- Wann schreibst du am liebsten?

Und ich würde sagen, ich habe dein Buch zwischen Leipzig und Karlsruhe gelesen, bis Bern hat es leider nicht gereicht.

Wer jetzt fragt: Was soll das?, dem kann ich nur raten kauft euch Ruhm. Bei Kehlmann scheint sich, so schrieb die Süddeutsche, Genieverdacht zu verdichten. Und das kann ich nur voll und ganz unterschreiben. Es ist faszinierend mit welcher Leichtigkeit er die Worte setzt. Es ist unglaublich wie gebannt ich seine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte verfolgen konnte. Nichts hat mich da rausgebracht. Ich könnte nicht sagen, dass man sehr tief eintaucht und sich in der Geschichte verliert, dazu ist es zu rasant geschrieben. Man surft sozusagen auf den Absatz-Wellen, das trifft es viel besser. Dabei steht der Leser total sicher auf dem Brett, bis er am Ende doch ins Wasser fällt. Abkühlung tut gut.

Ich sehe es absolut nicht unverdient, dass sein Buch auf der Short-List für den Leipziger Buchpreis steht. Ich kenne die anderen Bücher nicht, aber wer imstande ist mit einer derartigen Leichtigkeit den Leser gebannt bei der Stange zu halten, der muss den Preis bekommen. Meine Stimme hätte er.

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