Total zerfasert und vollständig aufgelöst
Ich war die letzten Tage drüben. Angemerkt nur für jene die mein Verlagsblog nicht regelmäßig besuchen, manchmal gibt es da auch Content. ;o)
Die privatere Nachschau zu Erlangen könnt ihr aber jetzt nur hier finden. Alles was ich nicht ins Verlagsblog schreiben konnte, wollte, durfte. Ja durfte, da gibt es Menschen die mich in meinem eigenen Verlagsblog zur Raison bringen. Und ihr werdet es nicht glauben, ich liebe diese Menschen auch noch. Wie krank bin ich eigentlich. ;o)
Aber jetzt mal in medias res. Der Comic-Salon in Erlangen war für meine Begriffe ein voller Erfolg. Es gibt zwar Stimmen die sagen, dass der Samstag mau war, aber das kann ich eigentlich für mich nicht behaupten, der Samstag war unser stärkster Verkaufstag und die Leute haben uns die Bude eingerannt. Naja, fast. Pomme d’amour, alle haben davon geschwärmt, alle die ein Rezensionsexemplar haben wollten besonders. ;o)
Ich selbst habe auch über jede Menge Bücher geschwärmt. Und entsprechend voll war am Ende mein Auto und ich brauchte einen zweiten Koffer, um nach Hause zu kommen, ohne mich dumm und dämlich zu schleppen. Die Menge an Büchern die ich jetzt wieder habe reicht jedenfalls mit ziemlicher Sicherheit aus, um bis Frankfurt durchzukommen.
Frau Nuss ich muss ihnen übrigens einen Fehlversuch gestehen. Pjönjang war leider schon aus als ich mich darum bemühte, aber man hat es mir für Frankfurt hoch und heilig versprochen. Bitte noch ein paar Monate Geduld. Danke.
Die Ankunft in Erlangen letzten Mittwoch war sehr entspannt. Ich hatte nämlich keinen Zeitdruck und die meisten Zeichnerinnen von Pomme d’amour waren schon vor Ort. Deshalb fuhr ich nicht gleich zum Rathaus in die Messehalle, sondern in den Museumswinkel zu unserer Ausstellung. Zu unserer wunderbaren von Erlangen wahnsinnig toll unterstützen Ausstellung zu Pomme d’amour. Die Bilder dazu gibt es bald. Einen Film gibt es auch. Die von 12 auf 10 Minuten gekürzte Fassung steht sogar auf YouTube.
Nach dem Ausstellungsbesuch fuhr ich noch in die Messehalle nachsehen, ob noch alle 200 Pomme d’amour Bücher da sind. Sie waren es, sehr verlässliche Menschen da in Erlangen, kann ich nur sehr loben. Ich musste mich dann noch um Strom kümmern und Licht, denn das habe ich wohl bei der Bestellung des Standes vergessen, war aber kein Problem. Alle Menschen lieb, alle Menschen nett, trotz Aufbauhektik, faszinierend.
Von unserem Hotel (von Erlangen organisiert) haben mir die Mädls schon Abenteuerliches berichtet. Da ich vorgewarnt war, habe ich zum einen gleich das Frühstück abbestellt und zum anderen durch mein selbstsicheres Auftreten einen zweiten Zimmerschlüssel und ein paar Euro gespart. Die Mädls haben mir von den Russen erzählt und wie die da in unserer Dependance ein- und ausgehen. Stundenhotel? Geldwäsche? Was weiß ich. Es war jedenfalls abenteuerlich. Aus den Wänden und Decken kamen fingerdicke Orange Kabeln heraus und es sah so aus als würden langfingrige Aliens versuchen aus ihren Gefängnissen in der Wand zu entkommen. Die Kabel an der Decke waren zudem zu langen Schlaufen geformt. Entweder für diejenigen die den Anblick ihres Zimmers nicht mehr ertragen können zum Aufhängen oder für nächtliche Bondingspiele. Wer weiß. Abhanden gekommen ist jedenfalls keine von uns, selbst als Laureline drei Nächte vergaß unsere Zimmertüre abzusperren. Das Absperren war sowieso sinnlos, da unser vis-à-vis Zimmer offenbar das gleiche Schloss hatte. Am ersten Tag hat sich Laureline nämlich in der Zimmernummer geirrt und stand plötzlich in einem Zimmer in dem schon Sachen waren. Sie wunderte sich erst, dass ich schon da sei, fand dann jedoch, dass ich nicht der Typ von Jogginganzug und Turnschuhen bin. Sie zog sich leise zurück und sperrte das richtige Zimmer auf.
In unserem Haus gab es auch Wireless-Lan. Ganz gratis und absolut mies. Die meiste Zeit schaffte ich keine Verbindung, obwohl der Verteiler draußen am Flur gleich ein Zimmer weiter an der Wand war. Die einzige Möglichkeit halbwegs etwas über die Leitung zu bringen war im Badezimmer am Klo sitzend. Als ich das herausgefunden hatte klopfte es plötzlich an der Tür. Ich schrie ist eh offen, komm rein. Aber niemand kam rein. Ich dachte es sei Laureline. Ich ging dann zur Tür und öffnete, da stand der Hotel-Chef mit dem Zweitschlüssel des Zimmers vor der Tür (er hat den extra für mich anfertigen lassen) und gab mir den Schlüssel. Er fragte dann noch ob das mit dem Internet jetzt klappt (ich war vor meinem ersten Internetversuch bei ihm, da es nicht geklappt hatte) und ich antwortete, “Ja, aber ich muss aufs Klo gehen”. Er schaut verdutzt und sagt, ich wollte nur wissen ob das mit dem Internet klappt. Jetzt schaute ich verdutzt und erkannte, dass er mich missverstanden hatte. Ich sagte dann, “Ja, es klappt, danke” und schloss die Tür. Was denkt der Kerl, dass ich ihm erzähle, dass ich aufs Klo muss? Himmel, Laureline hat jedenfalls sehr gelacht, als ich ihr es erzählte.
Am Mittwoch Abend wurde im Museumswinkel noch gegrillt. Es war etwas frisch an diesem Abend, aber wir hatten alle unseren Spaß und es gab sogar Vegi-Burger. Leider nur Grilltassen auf denen schon Fleisch gelegen hatte, deshalb wollte sie Verena nicht. Ich habe sie trotzdem gegessen, waren gar nicht mal schlecht. Ich wurde an diesem Abend sogar voll satt und das für nur 10 Euro Spende.
Die nächsten Tage waren dann gezeichnet von abwechselnd Messealltag und Partystimmung. Ralf König rannte mir Donnerstag Abend in der Altstadt in die Arme und ich begrüßte ihn überschwänglich da ich ja in Frankfurt ein Bild mit ihm machte, welches Nina mit dem Tod ergänzte. Er sieht mir jedenfalls voll lächelnd in die Augen, kommt auf mich zu, fasst mich an den Oberarmen und sagt mir tief in die Augen blickend, “Hilf mir, wer bist du?”. *lol* Ich erklärte es ihm schnell und er Begriff. Denke ich. Später nach unserer gemeinsamen Pomme d’amour Abschiedsfeier ging es dann zur Zwerchfell Party. Leider viel zu spät. Preslisa hatte ich schon versäumt und pornophonique (die live noch tausend mal besser sind als auf CD) gaben schon ihre erste Zugabe. Es kamen dann noch zwei und das alleine reichte für mich aus, um mich noch mehr in die Jungs zu verlieben. Irgendwann muss ich sie nochmal live erleben. Kai (von pornophonique, der Rechts) sagte mir am nächsten Tag, dass sie gerade wieder Kontakte nach Wien hätten und dort eventuell ein Konzert spielen werden. Aber egal wo, irgendwo werde ich sie wiedersehen.
Auf der Zwerchfell-Party (20 Jahre Zwerchfell ohne Wiederkehr) war alles was Rang und Namen hatte, auch Nikolaus Mahler, den ich mal wieder vollgelabert habe. So voll, dass er dann am Samstag bei der Reprodukt-Avant Verlag und edition moderne Party gleich das Weite suchte als er mich sah. Dort war dann aber auch wieder Ralph König, der mir sagte, dass Pomme d’amour ein tolles Buch sei und er es sicher mögen wird, nachdem ihm alle schon davon vorgeschwärmt hätten. Als ich mich dann mit den Zwerchfellern und Dirk von CrossCult sehr lustig unterhielt (die waren alle schon ein wenig vom Bier hinüber) kam Flix mit einer zweiten Person angetanzt. Die zweite Person reihte ich in das Umfeld vom Carlsen Verlag ein, mir war aber anfangs nicht bewusst wer es denn nun tatsächlich ist. Flix lobte jedenfalls das Buch und zischte ab und lies mich mit Herrn Carlsen dastehen. Wir plauderten ziemlich lange und im Laufe des Gesprächs dämmerte es mir, woher ich den Mann kannte. Es war Christian Moser, der mit der unglaublichen Goethe-Bio und der Freud-Bio und den Monstern des Alltags (alle bei Carlsen erschienen). Ich hatte ihn zwei Jahre zuvor mal aus seinem Goethe-Buch in Leipzig zur Buchmesse lesen hören. Er plauderte ein bisschen aus dem Nähkästchen über die Pannen mit seinen Büchern. Dann trennten sich unsere Wege auf der Suche nach trinkbarem. Ich genehmigte mir einen zweiten Whiskey und verlor ihn aus den Augen. Komischerweise stand ich dann nach etwa einer halben Stunde wieder vor ihm oder er vor mir. Wie auch immer und wir plauderten noch ewig weiter. Keine Ahnung wie das passieren konnte. Egal, der zweite Whiskey relativierte danach sowieso einiges. Um halb drei haute ich jedenfalls ab. Es war mir zu viel Whiskey und eine Podiumsdiskussion Sonntag Mittag wollte ja auch noch bestritten werden.
Der Sonntag war extrem hart. Früh raus, kaum geschlafen, kein Frühstück, alleine am Stand bis kurz vor Mittag und dann das Podium wo schon von vornherein klar war, dass da nichts gehen wird. Nach dem Podium konnte ich mir wenigstens einen Kaffee und einen Erdbeerkuchen gönnen. Die Mädls verließen mich alle so gegen 16 Uhr und ich harrte noch zwei Stunden dem Ende des Comic-Salons entgegen. Aufräumen, einpacken, verabschieden und ab nach Hause. In Richtung Bayern hat sich wegen des langen Wochenendes alles gestaut, in Richtung Sachsen war überhaupt nichts los (da war ja auch kein Feiertag letzten Donnerstag).
Sonstiges: Am Freitag Abend war ich mit Laureline essen und da habe ich das Mobiliar zerstört. War urpeinlich als der Gartentisch in sich zusammenklappte als ich daran zog. Lies sich auch nicht mehr aufbauen. Selbst mit Hilfe eines Mannes nicht, oder vielleicht auch wegen der Hilfe des Mannes nicht. Ein anderer Mann brachte dann einen anderen Tisch und meinte den stell ich hier hin um den Rest müsst ihr euch selber kümmern. Na das haben wir dann auch noch geschafft.
Am Samstag war ich dann mit Barbara essen. Bei einem tollen Italiener. Zwei Männer saßen am Nebentisch und ich vermeinte englische Worte zu hören. Nach dem Vorspeisensalat entpuppten sich die englischen Worte als Schweizer Deutsch. Auch peinlich für mich. Ich wollte übrigens eine Goldbrasse essen mit Kapern und Oliven Sauce. Der Chef meinte dann ob ich nicht lieber einen Seehecht möchte. Ich sagte nein, ich mag lieber die Brasse. Er fragte ob ich die Brasse nicht lieber gegrillt haben möchte. ich sagte nein ich will so gerne die Kapernsauce. Er ging. Kurz darauf kam er wieder und meinte, es gäbe keine Brasse (die ist wahrscheinlich an Altersschwäche gestorben, deshalb wollte er sie grillen), ich sagte na dann eben doch den Seehecht. Er meinte ob ich den Seehecht nicht lieber gegrillt haben möchte. Ich sagte, NEIN ICH WILL DIE KAPERNSAUCE. Er entschuldigte sich und meinte ok. Die Kapernsauce. Im Nachhinein gesehen wäre es wohl besser gewesen ein anderes Gericht zu bestellen. Der Seehecht war nicht sonderlich toll und die Oliven waren auch nicht toll. Die Sauce und die Kapern hingegen waren 1A.
So jetzt aber Schluss. Wer bis hierhin durchgehalten hat, bekommt ein dickes Lob und beim nächsten Treffen einen Keks.



aschantinuss sagte,
3. Juni 2008 @ 18:00
Himmel, du brauchst Schlaf. Und was Beruhigendes. Und keinesfalls was zum Spielen. Bondingspiele mit Stromkabeln, Whiskey und Koks (ähm Keks) – kein Wunder, dass das alles ein bisschen viel für dich war.
Wegen Pjönjang kein Problem. Ich mache gerade eine umfassende Comic Weiterbildung und muss mich da sowieso noch durch einen ganzen Stapel ackern. Wobei großteils solche, die du nicht gelten lassen würdest weil Graphic Novel. Andererseits A.L.I.E.E.N. auch. Nebenbei muss ich auch mein Wissen betreffend französische Krimis aktualisieren wegen einer Französischlehrerin (falls du von dem Beruhigenden noch was übrig hast, schenk mir doch auch eines ein).
tibits sagte,
3. Juni 2008 @ 20:51
Ich picke mal das Wichtigste aus deinem Kommentar heraus. FRANZÖSISCHLEHRERIN????? Ich will auch so eine haben, hast du nicht eine überzählig? Hab ich was verpasst. Menno. Ich lebe hier im tiefsten Loch. Da bekomm ich ja überhaupt nichts mit.
Schlaf. Sag mir wo ich Schlaf finden kann? Ich habe am Wochenende den letzten Shop von unserem kleinen Server auf den großen Server umgezogen und es wurde Samstag wieder sehr spät. Dann habe ich Sonntag lange geschlafen, noch einmal am Server gebastelt und um etwa 17 Uhr bin ich umgekippt und eingeschlafen. Was war der Endeffekt? Ich bin um 20 Uhr wieder aufgewacht und konnte bis drei in der Früh wieder nicht einschlafen. Seither hänge ich ein bisschen schief in der Landschaft. Deshalb überlege ich jetzt tatsächlich weiter westwärts zu wohnen. Diese Nachtschichten wären in LA keine Nachtschichten, sondern Tagschichten, aber wahrscheinlich würde ich dort auch die Nacht zum Tag machen. Es ist wohl egal wo ich lebe.
Aber du hast Recht innerlich bin ich total aufgedreht und auch mein Magen mag mich schon wieder ein bisschen nicht. Nicht so schlimm wie im Januar, aber ich spüre es.
A.L.I.E.E.N. von Trondheim ist meiner Meinung nach der Beste aller Comics von Trondheim. Nach diesem Comic bist du am Boden zerstört. So cool. Graphic Novels, haben wir übrigens in Erlangen gelernt, werden von allen Verlegern einhellig als Mogelpackungen betitelt. Diese Comics gab es immer schon, nur hießen sie da eben noch nicht Graphic Novels und Pomme d’amour ist ja auch eine Graphic Novel oder besser gesagt besteht aus sieben kleinen Graphic Novels (verdammt, ich wusste den Ausdruck für kleine Graphic Novels schon, aber ich finde den nicht mehr, Graphic Novellas oder was weiß ich, hat mich jetzt eine halbe Stunde Suchen gekostet und dann auch noch ohne Erfolg).
Ich bin total am Ende. Schlafen nutzt da aber gar nichts. Einzig mein Leben wieder halbwegs in geordnete Bahnen zu bringen würde da etwas nützen. Auch meine Arbeit hier laugt mich extrem aus. Ich muss an so Vieles denken und aufpassen, dass ich nichts vergesse, ich kann da nicht so wie andere den Abstand finden. Ganz oder gar nicht, schwarz oder weiß, dunkel oder hell, warm oder kalt. So ist das mit mir.
Verzeih’ die Unordnung. Am Wochenende wieder Leipzig. Der einzige Lichtblick (außer dir natürlich ;o)).
aschantinuss sagte,
4. Juni 2008 @ 18:21
Ja, nachdem du noch dazu im Flugzeug am besten entspannen kannst, wäre das der ideale Plan. Du substituierst einfach Schlafen mit Fliegen und landest immer tagsüber. Und nach einem Jahr bist du in einer Bonusmeilengruppe wo man über die Kosten nicht mehr zu reden braucht.
Eigentlich hast du nichts verpasst. Alles beim alten. Tagträume über Dinge mit 2% Eintrittswahrscheinlichkeit zählen ja nicht. Vorallem nicht, wenn gesetzt die 2% noch immer alles super kompliziert ist. Solche hast du ja selbst, da brauchst du keine überzähligen von meinen, oder?
tibits sagte,
5. Juni 2008 @ 00:40
Du hast immer die allerbesten Ideen. Ich umrunde den Globus in westliche Richtung. Bleibe damit immer (sofern es endlich mal Flugzeuge gibt die mit der Geschwindigkeit der Erde auch am Boden mithalten können) im Tag und schlafe unendlich lange und unendlich entspannt. Da stellt sich dann nur noch die Frage, was tritt eher ein, mein Herztod oder der Geldmangel.
Alles beim Alten? Frau Nuss ich bin gelinde gesagt etwas enttäuscht. Aber andererseits sind ja gerade Träume die wenig Chancen auf Realisierung haben die allerschönsten Träume, denn die kann man immer wieder träumen. So wie mein Traum eines Tages auf Aitutaki am Rande des Atolls zu stehen und nichts als Meer zu erblicken. ;o)
Hach, Träume. Da du aber gleich deine Kenntnisse der französischen Krimiliteratur aufbesserst, nehme ich an, dass du versuchst diese 2% Eintrittswahrscheinlichkeit ein bisschen aufzupeppen. 3%?
aschantinuss sagte,
5. Juni 2008 @ 22:52
Mit äußerster Kraftanstrengung bin ich bei 2,175 % gelandet. Ob das das Limit ist, man wird sehen. Ich werde dir am Rande des Atolls in Aiutaki davon erzählen. (Du wirst natürlich nicht zuhören, weil du den Anblick genießen musst, aber das wird mir vielleicht auch lieber sein.)
Schlaf gut!
tibits sagte,
5. Juni 2008 @ 23:04
Das ist ein harter Job mit Französischlehrerinnen. Aber das hab ich in Frankreich auch bemerkt. Mit denen ist nicht gut Kirschen essen. Die sind alle Femme-Fatales schlechthin. Aber so hübsch.
Ich bin gespannt ob wir jemals Seite an Seite (ich nicht zuhörend) in Vancouver oder Aitutaki am Strand sitzend die Zehen in das Meer stecken werden. Schön wäre es schon. Genau wie der Traum dessen.
Jetzt aber zu Befehl Frau Nuss, ich schlaf gut. Du aber bitte auch.
)
aschantinuss sagte,
7. Juni 2008 @ 11:24
Nachdem du mir in Aiutaki nicht zuhören wirst, muss ich hier mein “Please explain in BIG LETTERS” deponieren: Ich hab ja schon verstanden, dass der langbeinige Alien in seiner patscherten Art am beinahe Weltuntergang mit schuld ist, weil er den Dornenzweig gepflanzt hat. Aber warum bringen die Bösen mit den Hörnern den blauen Alien mit dem lila Haar fast um? Einfach weil sie Hörner haben und böse sind? Und was ist das für eine Geschichte mit den pinken Tentakeln, die man nicht schlucken darf, weil man sich sonst vervielfacht und was passiert eigentlich auf der letzten Seite? Ich glaube, ich muss warten bis der auf Wienerisch herauskommt.
Kirschen Essen ginge glaube ich ohne weiteres. Sogar Kirschkernweitspucken.
tibits sagte,
7. Juni 2008 @ 11:56
Das sind doch alles nur Metaphern. Die bösen mit den Hörnern: Was Lewis genau dazu bewogen hat, weiß ich nicht, aber ich lese das als Gruppendynamik. Viele werden in der Gruppe zu Wesen die sich selbst eigentlich nicht entsprechen. Das kann auch wieder sehr viele Gründe haben. In diesem Fall die Angst selbst geschlagen und getötet zu werden, wenn er da nicht mitmacht. Der ungenießbare mit der Naht am Kopf hat sicher schon einiges in seinem Leben mitgemacht.
Aber ich merke gerade ich arbeite am Thema vorbei. Denn du hast gefragt warum die ihn umbringen. Als Gegenfrage fällt mir dazu nur ein, warum attackiert eine Gruppe junger Menschen Unschuldige? Aus genau den gleichen möglichen Motiven. Langeweile, Unterdrückung ihrer selbst, Motivation durch Autoritäten, Zwang durch Autoritäten. Warum gibt es Kriege? Warum gibt es Menschenverachtung?
Das mit den pinken Tentakeln lese ich wiederum eine Metapher auf das Gegenstück in sich selbst. So wie Engelchen und Teufelchen. Es steckt in uns allen, wir lassen es nur nicht heraus. Die pinken Tentakeln bringen es aber ans Licht. Die pinken Tentakeln an sich sind nicht böse, nicht gut. Sie spiegeln einfach unser Gegenstück wider. Oder sie zeigen, dass wir tatsächlich so sind wie wir sind.
Alles in allem verstehe ich die ganze Geschichte, und damit will ich auch das “Ende” erklären, als den Lauf der Natur an sich. Der Mensch an sich. Du kannst in bester Absicht Gutes tun und es endet für jemand anderen in einer Katastrophe. Du kannst versuchen die Welt zu retten, aber alles in allem ist ein Wesen oder eine Rasse nicht in der Lage in Frieden und Eintracht miteinander umzugehen. Und um nicht noch länger herumzuschreiben, wir als menschliche Rasse sind nicht in der Lage den Untergang unserer Rasse aufzuhalten.
Aber die Konklusio des Ganzen ist, dass es immer weitergeht. Am Ende entsteht eine neue Welt, neue Wesen, neue Rassen. Und es hat sich gegenüber der alten Welt absolut nichts geändert, es geht den selben Lauf der Zeit, der Dinge.
Ich kann natürlich auch komplett falsch liegen, wer aber mehr Lewis Trondheim gelesen hat, der sieht seine philosophischen Ansätze. Und deshalb mag ich ihn. Er verklausuliert alles in seinen Geschichten. Diese Geschichten mögen auf den ersten Blick brutal erscheinen, aber sie sind nichts anderes als ein Spiegel unserer Selbst.
aschantinuss sagte,
7. Juni 2008 @ 17:21
Die Geschichte scheint mir eigentlich auch auf den zweiten und dritten Blick ziemlich brutal. Überhaupt das Viele-Augen-Tentakel. Selbst wenn er als Arzt die Möglichkeit hat jemanden zu zermatschen und in ein Glas zu füllen, anschließend (?) in einer Röhre durch die Gegend hoppeln zu lassen und ihm nachher die Gesichtshaut abzuziehen, warum muss er das machen. Mir erscheinen seine Therapiemethoden überaus zweifelhaft.
Die pinken Tentakel sind böse. Sie bringen etwas ans Licht, was vorher gar nicht da war, sie entfremden einen vor sich selbst. Ich hab überlegt ob das die Darstellung von Vergewaltigung sein soll.
Jedenfalls kann ich mein Selbst in dem Spiegel nicht sehen. Ich finde es zugegeben gut, wie der Comic aufgebaut ist und durch Ineinanderblenden der verschiedenen Episoden dann eine Geschichte draus wird, aber er ist mir einfach zu verstörend.
tibits sagte,
7. Juni 2008 @ 17:50
Die Geschichte ist extrem brutal. Extrem, extrem brutal. Sie tut mir jedes Mal weh wenn ich sie lese. Aber auf der anderen Seite sieh in die Welt. Viele Menschen auf dieser Welt sind alles andere als zimperlich. Brave Menschen laufen plötzlich Amok. Was verbarg sich da Jahre in ihnen, das sich da auf einen Schlag so Luft macht.
Sieh zurück. Der zweite Weltkrieg. Was haben Ärzte da mit Menschen alles angestellt. Was haben normale Menschen da alles mit anderen Menschen angestellt. Sieh dir den Bosnienkrieg an. Schlächter, Vergewaltiger, alles mit Methode. Was sind das für Menschen? Könnte man auf der einen Seite fragen, auf der anderen Seite weiß man aus Experimenten, dass fast jeder Mensch mit entsprechender “Unterstützung” zum zumindest anonymen Mörder wird.
Ich kann mein Selbst in diesem Spiegel übrigens auch nicht sehen. Aber was sehe ich im Spiegel? Nur mein Äußeres. Was in mir noch alles drinnen steckt, kommt erst ans Licht sobald man wirklich mal in eine entsprechende Situation gerät.
Für die Sequenz mit der Röhre habe ich übrigens keine für mich schlüssige Erklärung gefunden.
Die Interpretation der pinken Tentakeln als Vergewaltigung ist ein interessanter Ansatz. Darüber muss ich nachdenken.
aschantinuss sagte,
7. Juni 2008 @ 18:42
Es ist ja nicht so, dass ich von Comics positiv Denken und Idylle verlange. Ich glaube, mich stört auch, dass das in keinen anderen Kontext gestellt wird. Der Rahmen als “comic strip for extra-terrestrial children” stellt die Brutalität irgendwie in die Tom & Jerry Ecke, so als wäre das mit der Intention gezeichnet, dass alle auflachen und sagen “Uhoh so ein Depp” wenn der Wurstlippenalien sich am Dornenbaum die Augen aussticht. Und dafür passieren eben wirklich zu schreckliche Dinge.
Vielleicht soll das ja irgendwie der Treppenwitz sein, dass Außerirdische ihre Kinder knallhart über Vergewaltigung, die Ohnmacht des Schwächeren, die Zerstörung des Selbst durch unaussprechliche Erfahrungen usw. per Comic in Kenntnis setzen, aber das ist mir zu zynisch, tut mir leid.
tibits sagte,
7. Juni 2008 @ 19:03
Dieser Comic ist alles andere als für Kinder gemacht. Dass es als Außerirdischen Kindercomic tituliert wird ist wohl eher der Ansicht vieler Erwachsener geschuldet, dass Comics generell nur etwas für Kinder seien.
Über diesen Comic habe ich zum Unterschied vieler anderer Comics kein einziges Mal lachen können. Im Gegenteil bei jeder Seite war mir ein bisschen mehr zum Heulen. Das Thema ist viel zu ernst.
In Hinsicht Brutalität fiel mir aber eben der Struwwelpeter ein. Für Kinder. Aber mit einer moralischen Keule, dass dir die Worte im Hals stecken bleiben. Ich denke dann auch an Wilhelm Busch. Der ebenso extrem brutale Comic-Geschichten geschrieben hat. Max und Moritz diese Beiden…
Und zum Thema Treppenwitz. Wie ich schon sagte. Dieser Comic ist kein Witzbuch. Und absolut kein Kindercomic. Er soll zum Nachdenken anregen. Wie auch zum Beispiel “Die Fliege” oder “Apokalyptische Schöpfungen”.
aschantinuss sagte,
7. Juni 2008 @ 22:27
Dass er in seinem Vorwort auf die Meinung anspielt, dass Comics nur für Kinder seien, kann ich mir nicht vorstellen. Der Typ ist doch aus Frankreich, oder? Warum der Witzbuch-Rahmen für die Geschichte zum Nachdenken?
tibits sagte,
8. Juni 2008 @ 12:07
Zum einen will ich nicht ausschließen, dass es an Kais Übersetzung liegt, ich kenne das Original leider nicht, werde aber bei Gelegenheit Kai fragen.
Zum anderen kann es sein, dass es um Vergewaltigung geht, ich kann es aber auch nicht, ohne Lewis Hintergedanken zu kennen mit Sicherheit bestätigen, du kennst meine Interpretation dazu und die spricht nicht von Vergewaltigung. Ich werde ihn dazu aber befragen so ich ihn einmal sehe. Er soll angeblich im Oktober zur Buchmesse kommen und Laureline wird mir sicher gerne übersetzen.
Und zum Thema Witzbuchrahmen. Wie definierst du konkret Witzbuchrahmen? Denn ich habe das Gefühl, dass hier unsere Definitionen etwas voneinander abweichen.