Archiv für März 2008

Leipzig – Buchmesse – 3. Tag

Der Samstag stand dann wie jedes Jahr unter dem Zeichen der Cosplayer. Um 11 Uhr war der obligatorische Cosplay-Wettbewerb. Wir schlugen daher (der Termin wurde uns erst auf der Messe bewusst, aber als gelernte Empathen war das schon am Morgen klar) erst um 13:30 Uhr auf der Messe auf. Gerade noch rechtzeitig für eine am Ende dann doch hitzige Diskussion über Bücher und Thunfischdosen. Viele neue Erkenntnisse hat die Diskussion dann aber nicht gebracht. Wir schalten daher weiter und verdrängen das Gehörte.

Nach einem ausgezeichneten Flammkuchen mit Schafkäse, getrockneten Tomaten und frischem Rucola und dem schlechtesten Cidre den ich in meinem Leben getrunken habe, ging es noch zum Smalltalk zum Avant-Verlag, Hannes raubt mir immer so schön meine Illusionen. Ich gebe ihm ja grundsätzlich Recht, aber andererseits was kostet die Welt und Geld ist sowieso hoffnungslos überschätzt, genau wie Mahler (Video ansehen!) vs. unseren Tod und Mädchen- Comic von Nina Ruzicka ;o).

Mehr war dann auf der Messe selbst nicht mehr zu tun, ich wollte nur noch weg, um nicht die vielen Cosplayer und deren nackte Haut (die man eigentlich gar nicht sehen will) in farblich nicht zu ihrem Typ passenden Kostümen (die man eigentlich auch gar sehen will) weiter betrachten zu müssen. Wir haben dann aber doch noch eine Runde durch den Comicbereich gemacht. Wir waren tapfer und mit einer gehörigen Portion Masochismus an die Sache herangegangen. Es reicht jetzt wieder für ein halbes Jahr. Frankfurt, ick hör dir trapsen!

Abends dann die Release-Party der Tippgemeinschaft ’08 im DLL in der Wächterstraße. Mit einem Moderatoren-Duo dessen eine Hälfte charmant ausgedrückt an Michelle Hunziker und ihre Moderatoren-Auftritte beim Eurovision-Song-Contest erinnerte, einer Leipziger Stadtschreiberin aus Australien (Vanessa Berry) die kein Wort Deutsch sprach und leider auch noch erkältet war und deshalb ihre englische Lesung genervt abbrach und fünf DLL-StudentInnen die ihre Texte vorbrachten. Mein erster Eindruck der diesjährigen Tippgemeinschaft war ein nicht ganz so überzeugter wie jener der vergangenen Jahre. Ich stelle mir ehrlich die Frage, ob sich da nicht gewisse Ermüdungserscheinungen einstellen. Es ist jedoch unfair, ohne die gesamte Tippgemeinschaft gelesen zu haben, ein abschließendes Urteil zu fällen. Ich werde daher später noch einmal darauf zurückkommen.

Ein einziger Text des Abends konnte mich dann aber doch noch halbwegs mit dem dieses Jahr erlebten aussöhnen: Bettina Knoth las Verkehrt. Eine fantastisch fantastische Geschichte. :o )

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Leipzig – Buchmesse – 2. Tag

Die Katerstimmung nach der 3L ging langsam vorbei und ein Termin war wie jedes Jahr ein Pflichttermin. 11:30 Mehrzweckfläche 4. Das DLL stellt sich vor. Dieses Jahr wieder durch Herrn Treichel. Drei junge Studenten am Beginn ihres zweiten Semesters hatten auch ihre Texte mitgebracht. Kai Gero Lenke sticht dabei am deutlichsten heraus und sein Text über zwei Brüder, einen Hasen und einen Unfall kann überzeugen. So sehr, dass ich, nachdem er mir in den folgenden Stunden auf der Messe gleich zwei Mal zufällig über den Weg läuft, ihn darauf anspreche. Ich habe gelernt, dass Zufälle keine Zufälle sind, sondern das Schicksal.

Nach einem geschäftlichen Mittagessen ging es dann zum nächsten Termin mit Saša bei arte. Er war wie immer charmant, gewinnend und sehr witzig. Er zieht jeden in seinen Bann, speziell natürlich die Frauen. Nicht nur ein Mal habe ich auch im Laufe des Donnerstag Abends in der Moritzbastei erlebt, dass eine Frau fast in Ohnmacht gefallen ist als sie ihn erblickte und sich nach dem Aufwachen dann doch nicht traute ihn anzusprechen. ;o)

Den Link zu einem der Fotos gibt es dann, sobald sie ihrer Bestimmung zugeführt wurden. Kryptisch, ich weiß, aber ich will nichts verraten. Saša sprach im arte-Gespräch über sein neues Romanprojekt, über sein erst kürzlich in Graz uraufgeführtes Theaterstück und auch einiges über sich. Nichts Neues, aber nachdem ich die Erfahrung gemacht habe, dass ihn noch immer nicht die gesamte Menschheit kennt, können solche Wiederholungen nicht schaden. Ich sag nur, Leute, der Mann ist gut. Einer der besten Literaten seiner Generation. Geht also hin und kauft endlich Wie der Soldat das Grammofon repariert, wenn ihr es noch nicht habt.

Danach war der Tag für uns gelaufen (bei arte hat sich noch kurzfristig ein rhizomatisches Gefühl eingestellt, Frau Rakusa tauchte nämlich nach der Aufzeichnung der Sendung noch ebenda auf) und wir verließen eine deutlich stärker besuchte Buchmesse als am Tag zuvor, nicht ohne jedoch vorher ein weiteres Mal bei Reprodukt vorbeizusehen und dort noch zufällig Bodo Dirk treffend (der Organisator des Comic-Salons in Erlangen im Mai) über die Aktivitäten zu Pomme d’amour, unserem aktuellen Comic-Projekt, zu sprechen.

Dann stand noch ein Besuch des besten Schokoladen-Ladens La Chocolaterie in Leipzig an mit der dicksten Trinkschokolade die man sich vorstellen kann und Genüssen der besonderen Art. Kann ich nur jeden Empfehlen, der Zuckerschock hält sich in Grenzen und die Schokolade löst für einige Zeit ein breites Grinsen und Kichern aus. Eines Tages werde ich es auch schaffen am letzten Sonntag eines Monats in Leipzig zu sein, um am dann stattfindenden Schokoladen-Brunch teilzunehmen.

Der Abend war dann mit Absichtserklärungen vollgepackt. Die Lesungen bei Krautgarden in der Baumwollspinnerei waren in unserer Absicht ebenso enthalten wie die Party der Jungen Verlage im Felsenkeller. Wir haben uns dann aber festgeredet, nein, ich habe uns zu Hause festgeredet bis 4 Uhr früh. Pech gehabt. Die Unlust hat mich einfach kurzfristig gepackt.

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Leipzig – Buchmesse – 1.Tag

Die Nachschau.

Ich weiß nicht, ob es ein verzerrter Eindruck war oder ob tatsächlich gestern am ersten Tag auf der Buchmesse so gut wie nichts los war. Kaum Menschen, viel gelangweiltes Personal und ein Systemabsturz der Computer, trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen keine Schlangen bei der Registrierung und den Kassen.

Ansonsten alles beim Alten. Dieses Jahr jedoch sieht man kaum große Namen. Dafür ein paar junge Glanzlichter die dafür wieder umso heller Strahlen. Clemens Meyer bekam den Buchpreis der Leipziger Buchmesse für seinen Roman Die Nacht, die Lichter einer Außenseitergeschichte die alles andere als einen jammernden Stil hat.

Dann natürlich Thomas Pletzingers Bestattung eines Hundes und ich persönlich muss mir auch noch (wollte ich eigentlich schon lange) Ulrich Peltzers Teil der Lösung besorgen. Ulrich Peltzer war übrigens auch einer der nominierten für den Buchpreis der Leipziger Buchmesse.

Ansonsten ist wie jedes Jahr die Leseinsel der Jungen Verlage der Mittelpunkt der Messe schlechthin. Sag ich mal so. Stimmt objektiv wahrscheinlich nicht, aber klingt gut. Dieses Jahr sind erstmals mit einem eigenen Stand die Jungen Magazine (bellatriste, EDIT, Sprachgebunden…) vertreten.

Abends dann die ORANG-Austellungseröffnung. Mit dabei dort Verena Braun, eine der Pomme d’amour Autorinnen. Und anschließend die Lange Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei, wo Lydia Daher einen ganz speziellen Eindruck hinterlassen hat. Sehr spannend.

Leider verpasst auf Grund des Termindrucks, die Lesung einiger DLL Studenten im Horns Erben. Tat mir speziell wegen Anna-Elisabeth Mayer leid, die ich schon gerne wieder einmal lesen gehört hätte. Die neue Tippgemeinschaft ’08 habe ich jedenfalls bereits und ich bin schon gespannt auf die Lesungen daraus am 2.Tag und morgen Abend bei der Release-Party der TG ’08 im DLL selbst.

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Frau Else und Thomas

Frau Else und Thomas PletzingerWas musste ich heute in meinem Briefkasten entdecken. Frau Lus kryptische Ankündigung ist eingetroffen und ich bin erstmal baff. Back to the roots quasi. Sie hat mir das New York Tagebuch der Frau Else zukommen lassen, das dritte Buch ihrer Blogmutter. Frau Lu. Ich stehe in tiefster Schuld. Das muss ich Ende Mai wieder gut machen. Die Kryptik ist dabei nur für die geschätzten Leser. Frau Lu weiß, was ich meine.

Daneben habe ich, wie angekündigt, in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung den Thomas Pletzinger abgeholt, nicht ihn persönlich, sondern seinen ersten Roman. Saša hat auch was dazu gesagt und was soll Saša schon zum Erstling seines besten Freundes sagen „…das überraschendste, das aufwühlendste und – tatsächlich – das umhauendste Buch seit langem.“ Zumindest seit seinem eigenen Debut und das ist ja nun auch schon wieder 1 1/2 Jahre her und ich war damals noch in Düsseldorf und ich erinnere mich … nein, ich blicke nach Vorne.

Ach ja, jetzt bin ich in der Bredouille, denn Frau Else reizt mich, den Thomas will ich aber bis morgen Früh zumindest quer gelesen haben. Ich gehe daher jetzt mal einkaufen und dann hört ihr mich erst wieder, wenn morgen Leipzig – Buchmesse – 1.Tag in der Überschrift steht.

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Leipzig – Buchmesse – 0. Tag

So, ich bin da. Gemütlich mit dem Sturm nach Leipzig geblasen. Kein Stress, nur liebe Menschen, trotz Streik des öffentlichen Verkehrs in WienBerlin (wie komm ich auf Wien?). Und mein gestern abgelaufener Reisepass hat keinen gekümmert. Eine kleine Einschränkung dann doch, wie könnte es anders sein. Berlin TXL. Das Übliche und zum Überdruss, aber dafür kann ja keiner was, genau als wir aus dem Flugzeug aussteigen, prasselt ein heftiger Schneeregen auf uns herab. Es gab natürlich auch keine Gangway mit Dach. Wär’ ja Luxus. Aber Schwamm drüber, alles lief gut und jetzt geh ich mal in die Stadt meine Geschäfte erledigen und mir ein Buch kaufen. Ihr wisst schon, Thomas Pletzinger, Bestattung eines Hundes.

Charlotte Roche heute Abend habe ich übrigens bereits von meiner Liste gestrichen. Nicht wegen Charlotte Roche, sondern wegen der Örtlichkeit der Lesung. Zu viele Menschen und nicht so gemütlich wie ich mir eine Einstiegslesung zur Buchmesse wünsche. Ich suche noch nach Alternativen. Irgendwas wird sich schon finden. Die Menschen von heldenstadt.de sind ja auch immer mit Tipps zur Stelle.

Bis nachher.

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