Materialisierte Reisegedanken

Was einem so alles durch den Kopf geht, an einem Reisetag wie diesem. Ich kam heute kaum zum Luftholen. Es war so viel zu erledigen vor meiner Abreise. Ich hab sogar das Essen (einen Sushi-Snack) auf die Zugfahrt verschoben.

Heute fiel mir in Leipzig verstärkt auf, wie viele schwarze Menschen hier herumlaufen. Ich meine damit jetzt nicht die Hautfarbe, sondern die Kleidung. Alles trägt Schwarz als wäre permanent Trauer angesagt. Ich weiß schon, dass es hier mehr Gothics gibt als sonst wo und vielleicht war ich heute auch nur sensibler, da ich selbst ein schwarzes T-Shirt trug, aber hier laufen ja nicht nur Gothics in Schwarz herum. Wer in Leipzig bunte Kleidung trägt fällt auf wie ein weißes Schaf unter lauter schwarzen. Ständig läuft dir eine fleischgewordene Emily über den Weg. So schön. :o )

Dann im Zug nach Berlin Tegel. Oder besser nach Berlin Hauptbahnhof. Das geht ja ganz gut, aber dann mit dem TXL Express-Bus nach Tegel zum Flughafen. Laut Fahrplan sind da 14-19 Minuten veranschlagt, aber das ist eine Weltreise und dauert in der Regel länger als 20 Minuten. Zudem habe ich herausgefunden (mit Hilfe eines verdammt schnellen und auch noch am Sonntag um 22 Uhr besetzten Service-Centers der Berliner Verkehrsbetriebe, ich war verblüfft), dass man für die Strecke von Berlin Hauptbahnhof zum Flughafen einen normalen Zone AB Fahrschein benötigt. Die große Erkenntnis, werden jetzt viele staunen. Aber es ist gar nicht so abwegig darüber nachzudenken. Denn mit meinem Bahnticket habe ich ja auch die City-Option. In Berlin besteht diese City-Option aber nicht wie auf deren Fahrscheinen aus Zone AB, sondern nur aus Zone A. Der Flughafen Berlin Tegel liegt aber in der Zone B. Jetzt habe ich darauf gehofft, ich könnte mit einem Kurzstreckenfahrschein die Reise in der Zone B fortsetzen. Aber weit gefehlt, denn ein Kurzstreckenfahrschein gilt für maximal 6 Busstationen. Der Bus TXL hat vom Ende der Zone A bis zum Flughafen eigentlich nur 3 Stationen (können auch vier sein) an denen er hält, aber es zählen bei Expressbussen nicht nur die Haltestellen in denen er tatsächlich hält, sondern auch die Haltenstellen die er durchfährt. Insgesamt hat er dadurch sieben Stationen bis zum Flughafen. Die letzte Station ist ungefähr 300 m vor der Endhaltestelle. Jetzt könnte man meinen, das ist getürkt, um zu verhindern, dass Menschen wie meinereine mit einem Kurzstreckenfahrschein das Auslangen finden. Ly denkt böse. Sind ja nur 90 Cent Unterschied. Aber es wurmt mich trotzdem. Speziell auch, weil ich zwei Kurzstreckenfahrscheine für Berlin in der Tasche habe und nicht weiß wann und wo ich die verfahren soll.

Dann Tegel. Ich bin zwar schon zwei Mal in Berlin Tegel angekommen, aber noch nie abgeflogen. Dieser Flughafen ist ziemlich mühsam. Die Anzeigetafeln zeigen nur so wenig an, dass man, selbst wenn sein Flugzeug nur noch knapp eine Stunde vor Abflug ist, es noch immer nicht auf der Tafel sieht. Ergo, auch keine Möglichkeit hat nachzusehen auf welchem Gate der Check In stattfindet. Denn der Check In in Tegel ist direkt beim Abfluggate. Toll. Ich habe es mit ein paar Minuten Geduld dann doch geschafft meinen Flug auf der Anzeigetafel abzuwarten und das Gate herauszufinden. Dann musste ich nur noch das Gate finden, was mir relativ einfach gelang, da ich zufällig in die richtige Richtung ging und dann einfach darüber stolperte. Abgesehen davon ist Tegel extrem eng. Der Flughafen ist im Ausbau wohl bei den 50-sitzigen Maschinen stecken geblieben. Das kann man ihm nicht wirklich zum Vorwurf machen, es ist nur eben kein tolles Erlebnis mit hundert Anderen in einen Wartekäfig gepfercht zu verbringen. Ich habe mich in Meditation geübt. Speziell da ich zudem wieder einmal vergessen habe mein PowerBook aus dem Koffer zu nehmen und ich es daher mit dem Koffer eingecheckt habe. Das aber hat mir dann nach einem doch recht angenehmen Flug wieder in Zürich eine Überraschung beschert.

Vor der Überraschung aber hatte ich noch einige Koordinationsschwierigkeiten als ich aus dem Flugzeug ausstieg. Im Finger (dieser Tunnel vom Flugzeug zum Flughafengebäude) waren mir die Schnecken vor mir zu langsam, deshalb setzte ich noch in dem Glasteil des Tunnels zu einem gewagten Überholmanöver an. Das Überholmanöver gelang dann jedoch nicht ohne Zwischenfall. Diese Glastunnels in Zürich habe an der Innenseite (sehr intelligent) Stahlverstrebungen und zwei davon habe ich in vollem Lauf mit der rechten Schulter mitgenommen (vielleicht waren es auch drei, nach dem zweiten war ich sicher schon etwas verwirrt, da das nicht aufgehört hat). Die Stahlstreben haben es überlebt, der Finger ist auch noch operabel nur meine Schulter ist etwas angeschlagen. Das wird einen schönen Grün und Blau schillernden Fleck geben.

Aber jetzt zur Überraschung. Da es in Zürich gegenüber Leipzig und Berlin doch ziemlich frisch war, machte ich noch am Flughafenbahnhof meinen mit einem Schloss versperrten Koffer auf, um mir eine Strickjacke herauszuholen. Ich klappe den Deckel auf und da liegen fein säuberlich zwei A4 Zettel im Koffer obenauf. Man hat meinen Koffer geöffnet, da man verdächtige Inhalte erwartet hat. Der Koffercheck-Formularvordruck der sich auf einem der beiden A4 Zettel befindet sieht neben einem „wir haben nichts gefunden und den Koffer ohne etwas zu entnehmen wieder verschlossen“, auch vor, dass man etwas finden könnte und das würde man dann ohne zu Fragen entnehmen, in einen flugtauchlichen Zustand versetzen, aufbewahren oder gar vernichten oder die Fluggesellschaft über Gefahrengut informieren. Wie gesagt in meinem Fall war wohl das PowerBook und die vielen Kabel im Inneren des Koffers an der Nachkontrolle schuld. Witzig, dass mir das in Berlin zum ersten Mal passierte (ein doppeldeutiger Satz, darum strapaziere ich hier noch einmal: wie schön).

Manche werden jetzt noch Fragen wieso das Schloss unversehrt geblieben ist. Es handelt sich dabei um eines dieser neumodischen Schlösser, die man nach 9/11 in Amerika eingeführt hat. Das ist ein Zahlenschloss mit einem zusätzlichen Schlüsselschloss. Für dieses Schlüsselschloss gibt es besondere Schlüssel die nicht im Besitz des Schlosseigners sind, sondern nur die Sicherheitsbeamten der Flughäfen haben. Damit können sie das Schloss öffnen, ohne es zu zerstören oder den Zahlencode zu wissen. Spooky, ich weiß, aber besser so, als ständig neue Schlösser kaufen zu müssen oder gar mit unversperrtem Koffer zu fliegen, was ich auch eine zeitlang mit immer mulmigem Gefühl getan habe. Ich bin ja etwas paranoid.

Bilder dazu gibt es ab irgendwann auf ipernity. Jetzt bin ich zu müde dafür.

Ach ja, weil es jetzt ja schon morgen ist. Alles Gute zum Geburtstag, liebste Frau Mama. :o )

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